Die Welt schuldet mir nichts – The world doesn’t owe me anything

(scroll down for English)

Gestern war ich frustriert und traurig. Es wurde immer schlimmer. Irgendwann saß ich nur noch da, war ganz bedrückt und konnte mich zu nichts mehr aufraffen. Nach einer Weile beschloß ich, das Mantra des Großen Mitgefühls, das Da Bei Zhou zu chanten. Ich bat um ein Blessing für meinen Zustand, und als ich etwa bei der Hälfte des Mantras angelangt war, kam plötzlich ein Satz zu mir, der lautete: „Die Welt schuldet mir nichts.“ Ich erinnerte mich an einen Text von einem spirituellen Lehrer, den ich vor einer Weile gelesen hatte. Er schrieb, wir sollen uns vorstellen, nur mal theoretisch, daß wir keinerlei Rechte hätten. Daß wir nichts „verdienen“. Als ich damals diesen Text las, kam sofort ganz viel Licht in meinen Körper, meinen Geist und meine Seele, und eine schwere Last fiel von mir ab. Genau das Gleiche geschah gestern abend. „Die Welt schuldet mir nichts.“

Was war geschehen? Es gibt etwas, das ich gerne hätte. Ein bestimmtes Möbelstück, das mir sehr wichtig ist. Seit vielen Jahren ist es aus Gründen, die nicht finanzieller Art sind, einfach nicht möglich gewesen. Ich war wütend auf meinen Partner. Ich fand, er würde es mir schulden, endlich die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit wir dieses Möbelstück haben können. Aber er hat ja andere Prioritäten. Ich bin nicht wichtig genug. Unbewußt habe ich mich stundenlang in eine negative Gedankenspirale hineingedreht.

Aber, und jetzt kommt’s: Er schuldet mir nichts. Was sollen denn die Kinder sagen, die nichts zu essen haben. Oder kein Dach über dem Kopf. Die Menschen, die krank sind, die sich möglicherweise aufs Sterben vorbereiten. Sollen sie sagen: „Alle anderen sind gesund und glücklich, warum muß ausgerechnet ich jetzt sterben?“ Elisabeth Kübler-Ross beschreibt in einem ihrer Bücher, daß es verschiedene Phasen gibt, die Menschen normalerweise durchlaufen, wenn ihnen bewußt wird, daß sie bald sterben. Eine dieser Phasen ist das „Warum gerade ich?“.

Manchmal neigen wir dazu, in bestimmten Phasen, die eigentlich Schritte in einem Prozeß in Richtung Liebe, Frieden und Annahme sind, steckenzubleiben. Manchmal bleibt unsere Seele stecken und trägt die Muster, die zu dieser Phase gehören, von Inkarnation zu Inkarnation weiter. Immer mit dem Bestreben, endlich einen Schritt weiter zu kommen.

Ich bin eingeschlafen mit dem Licht des Wissens, daß die Welt mir nichts schuldet, und hatte einen Traum. Mein Vater sagte mir, ich solle zu ihm kommen mit einem Auto, das ich in dem Hotel mieten soll, in dem ich mich befand. Der Hotelbesitzer war gerade dabei, einer Familie ein Auto zu leihen. Alle lachten und waren glücklich und zufrieden. Als ich mich freundlich dem Hotelbesitzer näherte mit meinem Anliegen, änderte sich sein Gesichtsausdruck schlagartig. Wie ich nur glauben könne, er würde MIR ein Auto leihen. In so vielen Leben hätte ich die Autos, die er mir geliehen hatte, zu Schrott gefahren, nicht zurückgebracht, den Schlüssel verloren, Verträge nicht eingehalten. Ich war verzweifelt und dachte nur, wie soll ich denn jetzt zu meinem Vater kommen? Er wollte doch, daß ich mir hier ein Auto leihe, damit ich zu ihm kommen kann!

Im Traum bin ich nicht auf die Idee gekommen, den Hotelbesitzer aufrichtig um Vergebung zu bitten. Ich hatte noch nicht einmal die leiseste Idee, daß ich das tun könnte. Mein Satz, daß die Welt mir nichts schuldet, hat eine Erweiterung erfahren: wenn die Welt mir nichts schuldet, werde ich mit meiner eigenen Schuld sowie mit meinen Schuldgefühlen konfrontiert. Ich habe versagt, ich habe Mist gebaut, ich verdiene es nicht, daß mir jemand vertraut oder mir etwas gibt. Ich bin nichts wert.

Wer will das schon fühlen. Unser Geist, auf der Suche nach einem Ausweg, bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung: „Das stimmt nicht. Ich bin etwas wert und ich verdiene, daß Menschen mir vertrauen und helfen. Ich verdiene es!“ Hier schließt sich der Kreis.

„Die Welt schuldet mir etwas, damit ich nicht mit meiner Schuld konfrontiert werde.“

Das Schwierige an diesen geistigen Spiralen ist, daß sie sich immer um die gleiche Sache drehen, um die beiden Seiten einer Medaille. Alles, was außerhalb liegt und hilfreich sein könnte, kann nicht gesehen werden. Hier kommt die Wichtigkeit der spirituellen Praxis ins Spiel. Es geht nicht darum, Gefühle wegzumeditieren oder abzuspalten. Es geht darum, in einem Moment, wo ich nur noch das Eine sehen kann, mich an meine Verpflichtung mir selbst und dem Göttlichen gegenüber zu erinnern, einmal am Tag das Mantra des Größten Mitgefühls zu chanten. So kann die Öffnung entstehen, das Fenster, durch das Licht eintreten kann.

Vor einigen Tagen empfing ich eine Botschaft vom Himmel zum Thema Schuld, Täter und Opfer. Hier wird davon gesprochen, daß alle Beteiligten Liebe, Vergebung, Mitgefühl und Licht „verdienen“. Hier geht es jedoch nicht ums Einfordern, sondern darum, es zu geben, in alle Richtungen (einschließlich uns selbst), damit alle Beteiligten gleichermaßen davon profitieren können. Die Botschaft lautet:

„Ich habe große Fehler gemacht, und dennoch bin ich es wert, geliebt zu werden, ich bin in Ordnung und gut genug.
Du hast große Fehler gemacht, und dennoch bist du es wert, geliebt zu werden, du bist in Ordnung und gut genug.
Alle haben große Fehler gemacht, und alle sind es wert, geliebt zu werden, alle sind in Ordnung und gut genug.
In unserer westlichen Gesellschaft wird Opfern geholfen und Täter werden vom Gesetz bestraft.
Täter sollten nicht bestraft werden. Opfer und Täter sind zwei Seiten einer Medaille. Sie sind Yin und Yang. Yin und Yang sind eins.
Opfer und Täter spielen ein karmisches Spiel miteinander und wissen nicht, wie sie aussteigen können.
Sie verdienen beide Liebe, Vergebung, Mitgefühl und Licht. Gleichermaßen.
Vergib dir selbst. Vergib allen anderen. Steig aus aus dem karmischen Spiel.“

Die menschlichen Gesetze beruhen auf der Dualität. Das eine gilt für das Gute, und das andere gilt für das Böse. Die spirituellen Gesetze beruhen auf Liebe, auf dem Einssein und der Verbundenheit aller Wesen. Wer nichts einfordert, nicht auf seinem Recht oder seiner Unschuld besteht, wer bedingungslos dankbar ist für das, was er hat, und großzügig alles mit anderen teilt, wird vom Himmel unermeßlich gesegnet und es wird ihm niemals an irgendetwas mangeln.

Wenn wir wirklich anerkennen, daß die Welt uns nichts schuldet, wird der Himmel uns alles geben.

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In English:

Yesterday I felt sad and frustrated. It was getting worse and worse. At some point I just sat there, felt depressed and couldn’t get myself to do anything anymore. After a while I decided to chant the Great Compassion Mantra, Da Bei Zhou. I asked for a blessing for my condition, and when I reached the middle of the mantra, I suddenly received a sentence saying: „The world doesn’t owe me anything.“ I remembered a text by a spiritual teacher I read months ago. He wrote that we should imagine, theoretically, that we don’t have any rights. That we don’t „deserve“ anything. When I read this text, I immediately felt a lot of light entering my body, mind and soul, and a huge burden fell off. Exactly the same thing happened yesterday. „The world doesn’t owe me anything.“

What happened? There was something I would liked to have. A certain piece of furniture, which is quite important for me. For many years it hasn’t been possible for reasons that weren’t financial. I was mad at my partner. I thought he owed me to finally create conditions that would enable us to have this piece of furniture. But he has other priorities. I’m not important enough. Unconsciously I went deeper and deeper into a negative thought spiral.

But here’s the wisdom: He doesn’t owe me anything. What should all these children say, who don’t have anything to eat? No shelter? People who are sick, who are possibly preparing to die. Should they say: „All others are happy and healthy, why do I have to die of all people?“ Elisabeth Kuebler-Ross explains in one of her books, that there’s different stages people go through, when they realize they’ll have to die soon. One of the stages is „Why me?“

Sometimes we tend to get stuck in certain stages, that actually are steps in a process leading to love, peace and acceptance. Sometimes our soul gets stuck and carries the patterns that belong to this stage from incarnation to incarnation. Always longing to finish that stage and get to the next one.

I fell asleep in the light of knowing that the world doesn’t owe me anything, and I had a dream. My father told me, I should rent a car at the hotel where I was staying and come to him. The hotel owner just borrowed a car to a family. Everyone was smiling and happy. When I approached the hotel owner in a friendly way, his expression immediately changed. How could I believe he would borrow ME a car. In so many lifetimes I crashed the cars he borrowed me, didn’t return them, lost the keys, broke agreements. I was desperate and only thought, how should I reach my father? He wanted me to rent a car here so I could go and see him!

In my dream, I didn’t realize I could sincerely ask the hotel owner to forgive me. I didn’t have the faintest idea that I could do that. So my sentence that the world doesn’t owe me anything got an extension: if the world doesn’t owe me anything, I get confronted with my own guilt and guilt feelings. I failed, I messed up, I don’t deserve that somebody trusts me or gives me something. I’m unworthy.

Who wants to feel that. Our mind, searching for ways to escape, moves to the opposite direction. „That’s not true. I am worthy and I deserve that people trust and help me. I deserve it!“ Here’s where the circle closes.

„The world owes me something, so I won’t get confronted with my own guilt.“

The challenge with these mental spirals is, that they always circle around the same thing, both sides of the coin. Everything outside, wthat could be helpful, can’t be seen. Here’s where the importance of spiritual practice comes into play. It’s not about meditating emotions away or splitting them off. It’s about remembering my commitment towards myself and the Divine in a moment, where I can’t see clearly, to chant the Great Compassion Mantra once a day. That’s how the opening happens, where the light can enter.

A few days ago I received a message from heaven concerning guilt, offenders and victims. It is said that all involved „deserve“ love, forgiveness, compassion and light. This doesn’t mean claiming it, but giving it into all directions (including ourselves), so that everyone involved can benefit equally. Here’s the message:

I have made huge mistakes, and yet I am worthy to be loved, I am ok and I am good enough.
You have made huge mistakes, and yet you are worthy to be loved, you are ok and you are good enough.
All others have made huge mistakes too, and they are also worthy to be loved, they are ok and they are good enough.
In our Western society, victims are helped and offenders are punished by the law.
Offenders should not be punished. Victim and Offender are two sides of the coin. They are Yin and Yang. Yin and Yang are one.
Victims and offenders play a carmic game with each other and don’t know how to escape.
They both deserve love, forgiveness, compassion and light. Equally.
Forgive yourself. Forgive all others. Step out of the karmic game.

 
Human laws are based on duality. Here’s what applies to the good, and here’s what applies to the evil. Spiritual laws are based on love, oneness and connection of all beings. Those who don’t claim anything, don’t insist on their right or innocence, who offer unconditional gratitude for all they have, who generously share with others, those get blessed tremendously and they will never lack anything.

If we really acknowledge that the world doesn’t owe us anything, Heaven will give us everything.

Ein Gedanke zu „Die Welt schuldet mir nichts – The world doesn’t owe me anything

  • 7. Januar 2017 um 18:15
    Permalink

    Danke für diesen wunderschönen, hilfreichen Text! Auch für den Text ‚Bedingungslos liebende Annahme‘. Beide haben so eine schöne hohe Schwingung und sind sehr inspirierend. Ich hatte heute Nacht auch genau einen Traum, in dem ich Ähnliches erlebt habe, was ich jetzt bei Dir lese – alte, unschöne Erinnerungen aus meiner Jugend, Ausgrenzung, Mobbing… und genau das habe ich fühlen dürfen, dass Täter und Opfer wie zwei Seiten einer Medaille sind. Es fühlte sich an wie Rollen, die wir damals einfach gespielt haben, wie Frage und Antwort – ein Loch, eine Frage, Unklarheit, ein tiefes Thema in mir damals, das andere beantworteten, auf diese ungeschickte Weise, wie sie es taten… aber sie taten es, und das ist wunderbar. Sie dienten mir, zeigten etwas in mir auf. Hätte es diese Unklarheit, dieses Thema in mir nicht gegeben, so hätten andere auch völlig anders auf mich reagiert. Damals konnte ich das so nicht sehen und habe mich verschlossen. Jetzt im Moment fühle ich große Dankbarkeit und Demut, wie tief geführt unser Leben ist. Unsere Seelen reagieren auf feinste Signale, erkennen intuitiv sehr tiefe Wahrheiten in anderen. So damals meine Mitschüler in mir… auch wenn sie es mir in Liebe nicht sagen konnten, sondern in für mich leidvoller Weise mir gezeigt haben und so auch gleichzeitig ihren eigenen tiefen Schmerz zeigten. Liebe Grüße Mandy

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